Münzmesse im Estrel: Gold und Silber glänzen weiter
Lange Gesichter gab es kürzlich auf der weltgrößten Münzmesse „World Money Fair“ im Berliner Estrel Hotel. Während Anleger und Münzsammler sich zu Beginn noch um neue und limitierte Gold- und Silber-Münzen an den Ständen internationaler Münz-Prägestätten drängelten, gab es kurz darauf die große Überraschung: Die Kurse bei Silber und Gold rauschten innerhalb weniger Stunden in die Tiefe. Gold verlor mehr als 8 Prozent und Silber büßte rund ein Viertel seines Wertes ein. Auch Platin als wichtiges Industriemetall, von dem es nur wenige Münzen gibt, rauschte um über 18 Prozent in den Keller. Damit hatten viele Händler, Anleger und Sammler nicht gerechnet.
Doch: Experten rechnen mit Wertzuwächsen bei Gold und Silber
Einige hatten bereits zuvor von größeren Preiskorrekturen bei Edelmetallen gewarnt, allen voran die Geldhüter der Deutschen Bundesbank. Edelmetall-Experten wie Wolfgang Wrzesniok-Roßbach, der bereits für Goldhändler wie Heraeus, Dresdner Bank und Degussa arbeitet und jetzt als Unternehmensberater der Feingold GmbH tätig ist, hielt es bereits Ende 2025 für möglich, dass Edelmetallpreise schon bald eine Korrektur erfahren würden – mehr noch – er hielt eine Korrektur nach den schnell ansteigenden Kursen sogar für notwendig: „Doch selbst bei einem Rückgang von zehn bis 20 Prozent bliebe der langfristige Aufwärtstrend des Goldpreises intakt.“
Ähnlich sieht es der frühere Degussa-Geschäftsführer Dr. Markus Krall, der bereits die kurzfristigen Höchstpreise für Silber fast auf den Euro genau voraussagte, als dieser einbrach. Krall sieht die mittel- bis langfristige Entwicklung beider Edelmetalle deutlich positiv und rechnet erneut mit Aufwärtsbewegungen. Auch die Edelmetallexperten der großen Geldinstitute wie Deutscher Bank und Commerzbank rechnen mit einer weiteren Stabilisierung der Gold- und Silberpreise am Weltmarkt. Immerhin kann Silber mit 2.600 Jahren als Zahlungsmittel auf eine lange Tradition verweisen.
Niedrige Zinsen und hohe Staatsverschuldungen treiben die Preise
Hierbei sind sich die Experten von Banken und Edelmetallhändlern einig: niedrige Zinsen, hohe Staatsverschuldungen und Inflationsraten, gepaart mit wirtschaftlichen und geopolitischen Unwägbarkeiten sorgen für weitere Anstiegsszenarien bei Edelmetallen. Stieg der Preis für Gold im vergangenen Jahr noch um 65 Prozent an, waren es bis zur Korrektur noch 21 Prozent für 2026. Das besonders für die Solar- und E-Mobilität benötigte Silber konnte 2025 noch einen rasanten Aufschwung von 148 Prozent aufs Parkett legen. Nach einem Anstieg von 45 Prozent Wertzuwachs in 2026 folgte am 30. Januar dann der Absturz mit einem Minus von rund 26 Prozent. „All dies ist kein Grund sich von beiden Edelmetallen als Anlageinstrument zu verabschieden“, so ein internationaler Münzhändler aus Bayern. „Gold wird genauso wie Silber wieder im Preis steigen, denn die Nachfrage bleibt hoch, während Anleger die Chance genutzt hatten, um Gewinne mitzunehmen.“ Jährlich werden ca. 22.000 Tonnen Silber und rund 2.500 Tonnen Gold gefördert.
Polen besitzt mehr Gold als die Europäische Zentralbank
Die Polnische Nationalbank hat ihre Goldreserven inzwischen weiter aufgestockt und hält jetzt 550 Tonnen in seinen Tresoren. Damit besitzt sie größere Goldreserven als die Europäische Zentralbank, die gerade mal auf 506,5 Tonnen kommt. Polen hält somit einen Anteil von 28 Prozent Gold an seinen Gesamtreserven. Die größten Goldreserven halten nach wie vor die USA mit 8133,5 Tonnen und Deutschland auf Platz 2 mit 3.350,3 Tonnen Gold. Es folgen Länder wie Italien, Frankreich, Russland, China, Indien und Brasilien. Dabei erhöhten besonders die BRIC-Staaten Brasilien, Russland, Indien und China in den vergangenen Jahrzehnten ihre Goldkäufe kontinuierlich. Goldreserven können nicht zuletzt auch zur Stützung der eigenen Nationalwährungen dienen. Während zahlreiche Anlageberater auf ETFs, Futures, Swaps und Optionen auf Edelmetalle setzen, also digitale Derivate, raten Edelmetall-Experten wie Markus Krall überwiegend zu physischen Edelmetallen in Form von Barren oder Münzen. Ihr Vorteil: Sie können jederzeit weltweit eingelöst werden und dienen somit laut Experten als eine Notreserve. Dirk Jacobs