Berlin trauert um eine Legende: „Rock’n’Roll is a state of mind“ – Ein Nachruf auf Rik de Lisle

Am 30. März ist in Berlin ein Licht erloschen, das über Jahrzehnte hinweg die deutsche Radiolandschaft erhellt hat. Richard „Rik“ de Lisle, der Mann mit der unverwechselbaren Reibeisenstimme und dem charmantesten amerikanischen Akzent der Nation, ist im Alter von 79 Jahren friedlich für immer eingeschlafen. Mit ihm geht nicht nur eine Moderatoren-Legende, sondern ein Mensch, der das Radio in Deutschland grundlegend verändert hat. Für seine Hörer der „alte Ami“, für seine Kollegen ein unerschütterlicher Fels in der Brandung und für seine Vertrauten vor allem eines: ein wahrer Freund.

Von Thailand nach Berlin

Riks Reise begann weit weg von den Berliner Sendemasten, in Milwaukee, Wisconsin. Als US-Sergeant der Airforce diente er seinem Land in Uniform, doch seine wahre Berufung fand er am Mikrofon.

Begonnen hat es beim American Forces Network (AFN) in Thailand. Als er dann nach Frankfurt versetzt wurde und 1982 nach Berlin zog, traf er hier auf eine Radiowelt, die im Vergleich zu seinen Erfahrungen steif und wenig insperierend wirkte.

Doch in Berlin traf er Gleichgesinnte wie etwa den legendären Rias-Moderator „Dennis King“. Der erinnert sich heute mit Wehmut an die erste Begegnung: „Wir haben uns sofort gut verstanden, hatten wir doch beide Radio als etwas weit Größeres erlebt, als das was deutsche Sender daraus machten.“ Es war diese Vision von Radio, die Rik später zum Star machen sollte.

Der Aufstieg zum „alten Ami“

Nach seinem Abschied vom Militär wagte Rik ebenfalls den Sprung zum RIAS, nicht ohne Selbstzweifel. Würde sein Deutsch ausreichen?

Natürlich reichte es aus, wurde sogar sein Markenzeichen. Aus dem Airforce Sergeant wurde „der alte Ami“. Seine Sendung „Old Gold Retold“ beim AFN war Legende, doch beim RIAS wurde er für die Berliner und darüber hinaus schnell zum Kult.

Rik de Lisle brachte eine Lockerheit in den Äther, die es vorherso in Deutschland kaum gab. Er moderierte den „Frühstart“ und wurde zu einer markanten Stimme der geteilten Stadt. Sein Motto „Rock’n’Roll is just a state of mind“ war keine hohle Phrase, sondern eine Lebensphilosophie, die er bis zu seiner letzten Sendung beim privaten Berliner Rundfunk 91.4 verkörperte.

Der Mensch hinter dem Mikrofon

Hinter dem schillernden Radiostar verbarg sich jedoch eine Geschichte von großer Disziplin und Menschlichkeit. Während er morgens im Studio dafür sorgte, dass die Hörer mit einem Lächeln im Gesicht den Tag begannen, wartete zu Hause die Realität eines alleinerziehenden Vaters. Rik erzog zwei Kleinkinder allein, wechselte Windeln und bereitete das Frühstück vor, sobald die rote „On Air“-Lampe erloschen war. Zusammen mit seiner Lebensgefährtin führten sie eine Ehe, die von Respekt und Zusammenhalt geprägt war, und zogen ihre Patchwork-Familie mit großer Liebe durch.

Ein Leuchtfeuer erlischt

Die Radiobranche trauert um einen Mann, der sein Metier mit einer Intensität liebte, die ihresgleichen suchte. Rik de Lisle blieb bis zum Ende seines Lebens „on air“, immer mit Bodenhaftung und Leidenschaft für die Musik. Auch wenn die Diskussion darüber, ob Michael McDonald nun der bessere Sänger bei den „Doobie Brothers“ war, zwischen ihm und seinen Freunden ewig ungeklärt bleiben werden, so besteht kein Zweifel an dem großen Vermächtnis dieses einzigartigen Mannes.

Rik de Lisle war mehr als nur eine Radiostimme. Sein Tod hinterlässt eine Lücke, die sehr lange nicht zu füllen sein wird.

Thank you for your service, Airforce Sergeant Rik de Lisle! Keep on rocking.




BERLINALE 2026: Taxifahren in Lagos und ein „queeres Gefängnis-Epos“

von KLAUS KELLE

In Deutschland verlieren im Moment durchschnittlich 10.000 Menschen pro Monat ihren Arbeitsplatz. Die Probleme mit der Massenmigration sind weiterhin vielleicht eingedämmt, aber die Unfähigkeit des Bundes und der Länder, konsequent abgelehnte Asylbewerber abzuschieben – insbesondere Kriminelle, die hier schwerste Gewalttaten verübt haben –, ist erschütternd. Mehr als 100.000 Abtreibungen werden jedes Jahr in Deutschland registriert; junges Leben, Geschöpfe Gottes, die einfach ausgelöscht werden.

Viele Themen würden mir einfallen für Drehbuchautoren, Produzenten und Regisseure in einem der bedeutendsten Filmwettbewerbe der Welt: der Berlinale.

Doch was finde ich?

Ein „elektrisierendes Porträt der nigerianischen Megacity Lagos“, in der „Lady“ (gespielt von Jessica Gabriel’s Ujah) mit klassischen Geschlechterrollen bricht. Denn „Lady“, eine „junge, androgyn wirkende Frau“, die sich als eine der wenigen Taxifahrerinnen in der hyper-maskulinen Welt von Lagos durchsetzt, spart eisern jeden Naira, um aus der chaotischen Metropole in die Küstenstadt Freetown (Sierra Leone) fliehen zu können. Und dann, ganz wichtig, taucht plötzlich ihre Freundin „Pinky“ auf, um sie in die glitzernde, gefährliche Welt der Nachtclub-Szene einzuführen. Und klar, sie ist ja Taxifahrerin: „Lady“ fährt dann mit ihrem Auto „eine Gruppe schillernder Sexarbeiterinnen durch die Nacht“.

Verstehen Sie mich bitte nicht falsch

Kultur ist nur Kultur, wenn sie frei ist. Maler sollen Bilder malen, wie und was sie wollen, Theaterregisseure können absurdeste Stoffe inszenieren und natürlich dürfen Filmemacher auch das Vortragen nepalesischer Hirtenlyrik in einem achtstündigen Dokudrama verarbeiten. Aber erwarten Sie bitte nicht, dass normale Menschen sich das dann auch antun!

Die 76. Internationalen Filmfestspiele Berlin finden unter der Leitung der neuen Intendantin Tricia Tuttle statt, die sich erkennbar bemüht hat, den Rythmus der Stadt aufzugreifen.

Die Aufmerksamkeit zum Start gehört traditionell der „Berlin Opening Night“. In diesem Jahr fand die exklusive Sause im SO/ Berlin Das Stue statt. Das ehemalige dänische Botschaftsgebäude am Tiergarten bot eine perfekte Kulisse für eine Nacht, in der Diskretion und Extravaganz zusammen passten.

Auf dem roten Teppich vor dem Hotel die traditionelle Show der Filmstars: Michelle Yeoh, die in diesem Jahr mit dem Goldenen Ehrenbären für ihr Lebenswerk ausgezeichnet wurde, Hollywood-Größen wie Neil Patrick Harris, Pamela Anderson und ein gut gelaunter Channing Tatum für internationales Flair. Und unsere heimischen Top-Namen waren natürlich dabei: Iris Berben, Daniel Brühl und Matthias Schweighöfer.

In der Sektion Berlinale Special zog vor allem die Horrorkomödie „Die Blutgräfin“ von Ulrike Ottinger das Publikum an. Isabelle Huppert spielt eine exzentrische Adelige, die zwischen Splatter und High-Fashion wandelt.

Wer schnappt sich nun den Bären?

Die internationale Jury unter dem Vorsitz von Wim Wenders hat keine leichte Aufgabe. Während früher oft große politische Parabeln dominierten, geht es dieses Jahr – na klar – um Identität (nicht die deutsche, versteht sich), Familie und das Aufbrechen alter Rollenbilder.

Und natürlich, ich hätte sonst etwas vermisst, gibt es das queere Gefängnisdrama „Animol“: „Mit seiner rohen, aber zärtlichen Erzählweise über Liebe unter widrigsten Bedingungen“ gilt es als heißester Anwärter auf den Goldenen Bären. Na dann…

Der Fokus liegt bei dieser Berlinale weniger auf dem erhobenen Zeigefinger als früher. Das ist gut. Aber ob am Ende „das kraftvolle Kino aus Nigeria“, das „deutsche Rollenspiel-Drama“ oder das „queere Gefängnis-Epos“ gewinnt, ist mir persönlich völlig schnuppe.




Endlich wieder Broadway-Glanz in Berlin: „Ghost“ startet eine neue Ära im BlueMax Theater

von KLAUS KELLE

Eine rauschende Premiere – diese Formulierung liest man oft, wenn eine neue Bühnenshow irgendwo startet. Aber gestern Abend bei der Premiere von „Ghost – Nachricht von Sam“ im BlueMax Theater am Marlene-Dietrich-Platz traf diese Beschreibung zu wie selten. Denn es war eine wirklich rauschende Premiere, die 600 Gäste im umgebauten Theater, wo über Jahre vorher die „Blue Man Group“ Dauergast war, feiern durften.

Ghost – Nachricht von Sam“ – war da nicht mal was?

Ja, da war mal was. Ein Hollywood-Blockbuster, der 1990 zu einem der erfolgreichsten Filme weltweit (neben „Pretty Woman“) wurde und mit einem vergleichsweise geringen Budget von 22 Millionen gut 505 Millionen US-Dollar einspielte.

Eine Liebesgschichte – natürlich, deren Magie gestern Abend im BlueMax Theater mühelos wieder aufblitzte und das Publikum zu wahren Beifallsstürmen anregte.

Viele Berliner Celebrities waren gekommen, der Ex-Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit war da und auch „Didi“ Hallervorden, inzwischen unfassbare 90 Jahre jung, hatte erkennbar sein Vergnügen auch noch nach der Show bei der Premierenfeier.

Oedo Kuipers als „Sam Wheat“ und Bianca Basler als „Molly Jensen“ überzeugten mit Ausstrahlung und Spielwitz als Liebespaar zwischen dem Hier und dem Jenseits in einem Musical, das viel mehr ist als eine bloße Adaption des Kultfilmes aus den 90ern. Mir persönlich hat der mitreissende Auftritt von UZOH am besten gefallen, eine Sängerin und Songwriterin aus Stuttgart, für mich der kommende Topstar der Musicalszene in Deutschland, in der Rolle der umwerfenden Hellseherin Oda Mae Brown.

Die neue Show im BlueMax Theater gestern Abend war so dynamisch, dass sich auch ein Blick auf die Macher lohnt. Die heißen Nils Büchner und Stephan Dominik Hubert, die mit ihrer ShowSlot Group das Musical-Genre in Deutschland geraade ein Stück weit neu erfinden.

Die Wurzeln des Unternehmens liegen im „Off-Musical Frankfurt“, das 2017 begann. Doch aus der Nische ist längst eine große Nummer geworden. Durch die Übernahme des „Stage Bluemax Theaters“ im Herbst 2025 hat sich die Gruppe vom reinen Tourneeveranstalter zum Betreiber einer der prestigeträchtigsten Spielstätten Deutschlands gewandelt.

Internationales Franchise trifft deutsche Präzision

Dass „Ghost“ gerade jetzt in Berlin einschlägt, ist kein Zufall. Das Musical ist ein globales Phänomen, die Kompositionen von Dave Stewart (Eurythmics) und Glen Ballard verleihen der übernatürlichen Liebesgeschichte eine Rock-Pop-Kante, die perfekt in das urbane Berlin passt.

ShowSlot hat es verstanden, dieses internationale Franchise mit einer Besetzung zu veredeln, die sowohl gesanglich als auch schauspielerisch neue Maßstäbe setzt. Es ist die Kombination aus der Sicherheit einer weltweit bewährten Marke und der Frische einer jungen, hungrigen Produktionsfirma, die den Abend so besonders machte.

Das Engagement von „Ghost“ im BlueMax Theater ist der Auftakt einer ambitionierten Spielzeit 2026, die mit den Produktionen von „Dracula“, der „Cher Show“ und „Sister Act“ fortgesetzt wird. Ziel ist es, das BlueMax Theater als einen Ort zu etablieren, an dem es ständig Neues zu entdecken gibt – ähnlich den Spielplänen im legendären Londoner West End.

Nur bis zum 8. Februar ist Ghost noch in Berlin zu sehen. Karten gibt es über https://www.eventim.de/




Vor dem Schloss Charlottenburg kommt echte Weihnachtsstimmung auf

CHARLOTTENBURG – Der Weihnachtsmarkt am Schloss Charlottenburg ist schon etwas Besonderes. Und ja, er ist einfach schön, romantisch, vor der erleuchteten Kulisse des Barockschlosses, mit einem wunderbaren und vielfältigen Angebot an Dingen, die man eigentlich nicht braucht, aber die einfach…auch schön sind. Und kulinarisch reicht es hier weit über Thüringer Bratwurst, Pizza und Glühwein hinaus. Allein das gefüllte warme Landbrot ist es wert, noch einmal dorthin zu gehen.

Mehr als 100 regionale und internationale Anbieter in Holzhütten und Pagodenzelten bieten Kunsthandwerk, ausgefallenen Geschenkideen und weihnachtliche Speisen und Getränke an. Wer nicht in der Kälte am Stehtisch ausharren will, der findet beheizte Zelte, in denen ganze Menüs angeboten werden.

Etwa 70 bis 80 Weihnachtsmärkte gibt es in der deutschen Hauptstadt während der Adventszeit. Und die Bandbreite ist enorm von den großen kommerziellen Touristenattraktionen am Alexanderplatz und am Potsdamer Platz bis hin zu kleinen, spezialisierten Märkten wie dem „Lucia“-Weihnachtsmarkt oder dem Umwelt- und Weihnachtsmarkt in der Sophienstraße.

Wie können sich die vielen Leute das bloß leisten, frage ich mich, als wir nach drei unbeschwerten Stunden das vorweihnachtliche Treiben vor dem Schloß Charlottenburg verlassen. Denn die Preise sind schon happig für Glühwein, Currywurst mit Pommes und französische Trüffelsalami.

An einer Hütte bieten sie Christbaumkugeln an, das Stück für 28 Euro. Die waren echt schön anzusehen, aber 28 Euro für eine Christbaumkugel? Ich weiß ja nicht…

Nachher zu Hause werden Manche dann wieder klagen, wie schlecht alles in Deutschland geworden ist, und dass der Untergang bevorsteht, und erst die Milliarden für die Ukraine….




Kein Grund zum Selbsthass – wat andere können, dat können wir oooch…

Bekommen Sie ab und zu auf TikTok, Insta oder Facebook auch diese sympathischen Videos von lauen Sommerabenden in St. Petersburg? Da, wo die Welt noch in Ordnung ist, gut gekleidete und gekämmte jungen Menschen flanieren, lachen, tanzen und keine bösen Buben in Sicht? Sehr her, so schon, sauber und normal ist s hier bei uns in Russland – und nicht so wie bei euch im verfaulenden, sterbenden Westen.

Zugegeben, ich habe sowas inzwischen auch mit Aufnahmen angeblich aus Warschau und Budapest gesehen, und ich freue mich, wenn es da so harmonisch alles ist. Wobei ich von meinen vier Reisen nach Russland auch weiß, wie trostlos der Alltag der Menschen außerhalb der Glitzermetropolen Moskau und St. Petersburg aussieht. Aber das ist nicht mein Thema heute…

Wir waren gestern Abend in Berlin unterwegs, im östlichen Zentrum der Hauptstadt, Unter den Linden zwischen Brandenburger Tor und Alexanderplatz. Erst Heilige Messe in der Sankt Hedwigs-Kathedrale, dann „Nacht der Lichter“, ein öffentliches Spektakel, wo an zahlreichen historischen Gebäuden…sagen wir, ungewöhnliche…Lichtinstallationen gezeigt wurden, begleitet von passender Musik. Da hat sich jemand Gedanken gemacht, es war wirklich beeindruckend, da im Trubel umherzuschlendern und zu staunen.

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Zehntausende Menschen waren unterwegs bei halbsommerlichen 16 Grad Celsius, viele Familien mit Kinderwagen und auch Kindern, alle 200 Meter spielten Straßenmusiker, mal etwas von den „Sportfreunden Stiller“, mal von Amy Winehouse. Hier ein Schlagzeugkünstler, da eine Gruppe Breakdancer. Und dazwischen Menschen, Menschen, Menschen, die – klar, Berlin – nicht nur Deutsch sprachen, wie wir in der Menge natürlich wahrnahmen.

Aber, was ich Ihnen erzählen möchte: Irgendwann kam mir der Gedanke, das sieht ja hier aus, wie aus den Propagandavideos über das angeblich so friedfertige und freundliche Gegenmodell zum bösen Westen und zum heruntergekommenen Berlin.

Sie und ich wissen, dass Berlin viele Probleme hat. Zu viel Bürokratie, zu viel Verkehrschaos, zu viele Schmarotzer – deutsche wie Zugereiste – und zu viele Linksextremisten. Und seit der Legalisierung, entkommen sie bei Veranstaltungen nirgendwo mehr den Marihuana-Dämpfen überall.
Aber es war friedlich, sauschön, urban – das kann Berlin immer noch, ohne jeden Stress. Und wir sollten aufhören, immer nur das Negative am eigenen Land sehen zu wollen. Kein Grund zu diesem nörgelnden Selbsthass…




Berlinale hält an Sommerfestival fest – mit Testpflicht

Die Berlinale hält an ihren Plänen fest, im Sommer trotz Pandemie ein Filmfestival zu organisieren. Im Juni sind dann Filmvorführungen draußen geplant.

Besucher sollen einen negativen Coronatest oder einen vollständigen Impfnachweis benötigen, wie Geschäftsführerin Mariette Rissenbeek am Montag sagte. Die Berlinale zählt neben Cannes und Venedig zu den großen Filmfestivals der Welt.

Wegen der Ausbreitung des Coronavirus hatte die Festivalleitung umplanen müssen. Die Filmfestspiele wurden auf zwei Termine geteilt. Im März fand ein digitaler Branchentreff statt, im zweiten Schritt sollen nun Filme fürs Publikum gezeigt werden.

Die Sommerausgabe ist vom 9. bis 20. Juni geplant. Die Berlinale will bei der Berliner Landesregierung einen Antrag stellen, um Pilotprojekt zu werden. Denn noch sind in der Hauptstadt beispielsweise nicht nur Museen und Theater, sondern eben auch Freiluftkinos geschlossen. Zudem gilt nachts wegen der bundesweiten Notbremse eine Ausgangssperre.

Die Pläne der Berlinale hängen an der Sieben-Tage-Inzidenz. Der Wert gibt an, wie viele Corona-Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen erfasst wurden. Die Politik hat dabei einen Schwellenwert bei 100 gesetzt – sinkt der Inzidenzwert darunter, sollen wieder mehr Freiheiten möglich sein.

In Berlin war der Wert am Freitag seit Längerem auf 98,6 gerutscht, am Montag lag er laut Robert Koch-Institut (RKI) dagegen wieder bei 100,8. Die Inzidenz werde einige Tage unter 100 bleiben müssen, damit sie die Möglichkeit hätten, ihr Publikum begrüßen zu können, sagte Rissenbeek der Deutschen Presse-Agentur.

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) sagte am Montagmorgen im rbb-Inforadio über die Berlinale, das müsse in den nächsten Tagen entschieden werden, weil die Veranstalter Planungssicherheit bräuchten. Es gebe jetzt eine Bundesgesetzgebung, an die sie sich halten müssten. Die Freiheit, die sie vorher gehabt hätten, um auch regional angepasst über Modellprojekte etwas zu ermöglichen, sei nun eingeschränkt, sagte Müller.

«Wir sind in ständiger Abstimmung mit dem Berliner Senat», sagte Rissenbeek. Ihr Konzept würden sie nun einreichen. Es würde einige Tage dauern, bis sie Klarheit hätten. Auch wenn ihr Antrag auf eine Open-Air-Berlinale im Grundsatz genehmigt würde, gebe es immer noch die Frage, wie sich die Inzidenz entwickle. Rissenbeek zeigte sich aber optimistisch: «Wir sind auch sicher, dass das Publikum sich freuen würde, wenn es wieder Filme auf der Leinwand sehen könnte.»

Geplant sind Veranstaltungen an 16 Orten, etwa auf der Museumsinsel, am Kulturforum oder in Friedrichshain. Nach Angaben Rissenbeeks könnten – je nach Regelung – rund 60 000 Tickets angeboten werden. Im vergangenen Jahr waren rund 330 000 Tickets verkauft worden. Die Berlinale war damals eine der letzten Großveranstaltungen, die vor dem Lockdown noch stattgefunden hatte.

Die Sommerausgabe soll nach jetzigen Plänen am 9. Juni feierlich eröffnet werden. Die Preisträger, die im März bekanntgegeben worden waren, sollen ihre Auszeichnungen am 13. Juni erhalten. Der Goldene Bär für den besten Film geht an die experimentelle Satire «Bad Luck Banging or Loony Porn» des rumänischen Regisseurs Radu Jude.

Aber welche Filmemacher könnten überhaupt anreisen? Es sei davon auszugehen, dass für europäische Filme alle Verantwortlichen für die Premieren anreisen könnten, sagte Rissenbeek. Bei Übersee-Reisen würden größere Hürden bestehen. Das Programm zum Summer Special soll am 20. Mai veröffentlicht werden. Der Vorverkauf soll am 27. Mai beginnen, die Tickets könnten zwischen 11 und 13 Euro kosten.

Es gebe ein umfassendes Filmprogramm, sagte Rissenbeek. Dass die Berlinale deutlich weniger Tickets verkaufen könnte als üblich, bedeutet auch weniger Einnahmen. Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) habe ihnen Unterstützung aus dem Programm «Neustart Kultur» zugesagt, sagte Rissenbeek, die das Festival mit dem künstlerischen Leiter Carlo Chatrian führt. Gleichzeitig hätten sie an verschiedenen Punkten auch Kosten einsparen können.




„Echte Menschen, ist das schön“: Konzertabend mit Tupfer im Hals

Die Bilder wirken wie aus einem Science-Fiction-Film. Menschen in Schutzanzügen stehen in der Berliner Philharmonie und nehmen Abstriche aus dem Rachen.

Der Konzertabend beginnt nicht mit einer Plauderei an der Garderobe, sondern mit einem Tupfer im Hals. Denn nach monatelanger Pause haben am Wochenende die ersten Berliner Bühnen für ein Pilotprojekt geöffnet.

Im Berliner Ensemble durften rund 350 Menschen eine Aufführung schauen. Bei einem Testkonzert in der Philharmonie waren sogar rund 1000 Zuschauerinnen und Zuschauer zugelassen. Aber was wird da eigentlich getestet? Und weiß man noch, was das ist, so ein Konzerthaus?

Seit fast fünf Monaten sind viele Häuser in Deutschland wieder geschlossen. Bundesweit wird über steigende Infektionszahlen gesprochen. In Berlin wagen nun trotzdem mehrere große Häuser einen Probelauf. Sie wollen prüfen, wie aufwendig es zum Beispiel wäre, das Publikum vorab auf das Coronavirus testen zu lassen.

Kultursenator Klaus Lederer ahnt, wie das nach außen wirken kann. Bundesweit seien Theater, Konzerthäuser, Opern geschlossen. «Und wir machen – bei anschwellender Inzidenz, bei einer sich aufbauenden dritten Welle – Konzerte», sagt er am Samstagabend in der Philharmonie. «Da gibt’s Leute, die sagen: ‚Ihr seid nicht ganz dicht.’»

Die Kultur habe aber vor einem Jahr als erstes geschlossen und versuche nun, ihre gesamtgesellschaftliche Verantwortung wahrzunehmen. Mit dem Projekt sollten einige Dinge ausprobiert werden, von denen man an anderer Stelle hoffentlich lernen könne, sagte der Linke-Politiker. In den Räumen der Philharmonie gebe es gut funktionierende Lüftungen und Hygienekonzepte. «Wo soll man – wenn nicht hier – mal Dinge ausprobieren?»

In der Philharmonie stehen nun also Menschen mit blauen Handschuhen. Rund 500 Zuschauer konnten vor Ort einen Testtermin buchen, die anderen bekamen Termine andernorts in der Stadt. Das Ergebnis kommt kurz darauf aufs Handy. Der negative Befund muss beim Einlass vorgezeigt werden. Außerdem muss man einen medizinischen Mund-Nasen-Schutz tragen und Abstand halten.

Während in einem der Testzentren im Hintergrund leise Musik dudelt, arbeitet sich eine Mitarbeiterin mit einem Stäbchen das Nasenloch hoch. In der Philharmonie werden in eigens aufgebauten Teststationen Abstriche aus dem Rachen genommen. Dass mit Schnelltests wieder mehr Leben möglich ist, darauf hoffen viele.

Auch bei den Bayreuther Festspielen könnten sie in diesem Jahr eine wichtige Rolle spielen, wie Bayerns Kunstminister Bernd Sibler dem «Nordbayerischen Kurier» sagte. Allerdings dürften wohl trotzdem weniger Menschen in den Saal als zu normalen Zeiten. Auch im Berliner Ensemble und in der Philharmonie bleibt bei den Testvorstellungen mindestens jeder zweite Platz gesperrt. «Schachbrettmuster» heißt das.

Für das Pilotprojekt haben sich mehrere Einrichtungen zusammengetan. Bis Anfang April sind insgesamt neun Veranstaltungen geplant. Die Tickets für das Konzert der Philharmoniker? Nach Angaben der Intendantin waren sie innerhalb von drei Minuten ausverkauft. Chefdirigent Kirill Petrenko und sein Orchester spielen das erste Mal seit einem Jahr wieder vor so großem Publikum.

Getestet werden etwa Abläufe: Wie schnell kann man Menschen testen? Buchen sie lieber dezentral einen Coronatest? Oder wollen sie das direkt vor dem Theaterbesuch erledigen? Wie viele Befunde kommen positiv zurück? Auch die Frage der Finanzierung stellt sich. Im Pilotprojekt zahlen Besucher 20 Euro pro Abend, inklusive SARS-CoV-2-Antigen-Test. Normalerweise wäre das wohl teurer.

Die Ergebnisse des Testlaufs sollen ausgewertet und anderen zur Verfügung gestellt werden. Unklar ist allerdings, wann die Bühnen wieder regulär öffnen. Theatermacher Oliver Reese findet, eine Öffnung der Kultur sei auch ohne Festhalten an Inzidenz-Schwellen möglich. Als Intendant des Berliner Ensembles verweist er auf bestehende Konzepte. Die Tests seien ein zusätzliches Sicherheitsnetz.

Ähnlich argumentieren Kinobetreiber. Die Kinos hätten in Sicherheitskonzepte investiert – beim Impfen und Testen sei der Staat in der Pflicht. «Es muss flächendeckend kostenlose Tests geben», fordert Christian Bräuer vom Branchenverband AG Kino – Gilde. Wichtig sei, dass man unkompliziert etwa in der Apotheke um die Ecke einen kostenlosen Test machen könne. Dann könne das helfen.

Solche Schnelltests schlagen vor allem bei Infizierten in der hochansteckenden Phase recht zuverlässig an. Aber das Ergebnis zeigt nur eine Momentaufnahme und kann falsch sein. Ein weiteres Argument im Lockdown: Selbst wenn in einem Theater Hygieneregeln gelten, müssen die Menschen erst einmal dorthin kommen. Vielleicht fahren sie U-Bahn. Sie bewegen sich mehr und haben automatisch mehr Kontakte.

Andererseits wünschen sich viele eine Perspektive. «Ich habe es unheimlich vermisst», sagt ein Besucher der Philharmonie. Am Berliner Ensemble ruft ein Schauspieler während der Vorstellung, wie schön es sei, mal wieder Theater zu spielen. Aufgeführt wird «Panikherz». Autor Benjamin von Stuckrad-Barre erzählt darin von Musik, Kokainsucht, Essstörungen. Nach der Vorstellung steht er plötzlich selbst auf der Bühne. Er guckt ins Publikum und sagt: «Echte Menschen, ist das schön.»




„Ich war mein Leben lang ein Kneipenclown“ – zum Tod von Karl Dall

von MARK ZELLER

Komiker, Schauspieler, Moderator, Sänger und vor allem Unikum – mit Karl Dall starb am Montag einer der letzten zeitlosen deutschen Unterhaltungskünstler. Berlin war lange Jahre Zentrum seines Schaffens – und verdankt ihm seine inoffizielle Hymne.

Im Journalistenleben gibt es Anlässe, die einem schon lange vorher ein vorfreudiges Lächeln auf die damit verbundene Arbeit entlocken. Einer davon war Karl Dalls 80. Geburtstag Anfang Februar. Nun steht hier ein anderer Text, denn der unverwüstliche Unterhaltungskünstler hat zu früh auch sein zweites Auge geschlossen.

Ein hängendes Auge, das war zeitlebens das Markenzeichen des gebürtigen Ostfriesen. Aus der Stigmatisierung durch seine angeborene Lidmuskelschwäche machte er ein mimisches Alleinstellungsmerkmal und inszenierte es in Verbindung mit seinem „Sprachfehler“ – einem eigentümlich backengepressten Zischlaut anstelle eines „s“ – zu seinem künstlerischen Aushängeschild. Damit bereicherte er das Showgeschäft fast 60(!) Jahre lang in TV-Shows, Kino-Filmen oder auf Konzertbühnen und spielte dabei immer nur eine Rolle: Karl Dall.

1963, mit Anfang 20, zog es ihn aus dem hohen Nordwesten nach Berlin, wo er für mehr als 30 Jahre lang sesshaft werden sollte. Hier heiratete er auch seine Barbara, mit der er im kommenden Jahr Goldene Hochzeit gefeiert hätte, hier wurde seine Tochter Janina geboren. In seine Berliner Zeit fiel auch sein Aufstieg zur omnipräsenten Figur des seinerzeit boomenden Fernsehens. 1967 gründete er mit Ingo Insterburg die musikalische Komödiantengruppe „Insterburg & Co“ und revolutionierte mit deren „Kunst des höheren Blödsinns“ sowohl die Musik- als auch die Komik-Branche.

Kunst- und Comedy-Revolution von Berlin aus

Damit wurden sie so etwas, wie die Urväter der deutschen Stand-up-Comedy – lange, bevor es diesen Begriff überhaupt gab. Ihr 70er-Jahre-Hit „Ich liebte ein Mädchen“ wurde zum Evergreen und zur inoffiziellen (West-)Berliner Hymne. Dank seiner eingängigen Reim-Schemata wussten seitdem auch die Menschen aus anderen Teilen der Republik, in welchen Stadt-Bezirken die Berliner Mädchen „die Bude kalt“ (Grunewald), „Gebäck und Tee“ (Heiligensee) oder „Ohren wie Segel“ (Tegel) hatten. 

Und entsprechend einer weiteren Liedzeile „dann wurde es mir in Berlin zu klein, drum zog ich in ganz Deutschland ein“ erweiterte auch Dall seinen künstlerischen Radius und startete nach der Auflösung der Truppe Ende der Siebziger Jahre seine Solokarriere. Schnell etablierte er sich als nicht mehr weg zu denkender Bestandteil erfolgreicher TV-Shows wie „Plattenküche“ oder „Verstehen Sie Spaß?“, in denen er in seiner Paraderolle als liebenswerter Chaot zum heimlichen Star der Sendung avancierte.

Folgerichtig bekam er Mitte der Achtziger Jahre mit „Dall-As“ sein eigenes, auf ihn zugeschnittenes TV-Format (bei RTLplus). Im Gewand einer Talkrunde wurden wechselnde Gäste dem schlagfertigen Wahl-Berliner zum medialen Fraß vorgeworfen, was manchem nicht gut bekam: Legendär etwa der Auftritt (oder besser: Abgang) Roland Kaisers, der wütend die Sendung verließ, nachdem Dall ihn aufgefordert hatte: „Na, sing schon mal, damit wir es hinter uns haben.“

Wegbereiter des Privat-Fernsehens

Damit etablierte er auch den „Krawall-Talk“ im deutschen Fernsehen und setze ihn Anfang der Neunziger Jahre mit „Jux und Dallerei“ (Sat. 1) fort. Überhaupt trug er wesentlich zum seinerzeitigen Aufstieg des Privatfernsehens bei, ob als Abendshow-Moderator von „Koffer Hoffer“ (Tele 5) oder als Gründungsmitglied des Satire-Show-Teams „7 Tage, 7 Köpfe“ (RTL).

Auch in Sachen Schauspielerei und Musik blieb Dall umtriebig. Während allerdings Filme wie „Gib Gas – Ich will Spaß“, „Dirndljagd am Kilimandscharo“ oder „Sunshine Reggae auf Ibiza“ bestenfalls als schlüpfrige Achtziger Jahre-Relikte in Erinnerung geblieben sind, erfreuen sich viele seiner Songs ungebrochener Popularität. „Diese Scheibe ist ein Hit“ etwa dürfte die erste satirische „Abrechnung“ eines Künstlers mit dem Pop-Geschäft gewesen sein, nicht weniger selbstironisch der liedgewordenen Stoß-Seufzer aller frustrierten Ehemänner: „Millionen Frauen lieben mich“. Und das schmissige „Heute schütte ich mich zu“ darf als augenzwinkernde Zündladung auf keiner Party oder Auswärtstour fehlen.

Apropos Augenzwinkern: Dalls wahrscheinlich größtes Erfolgsgeheimnis war, dass er sich selbst und das Show-Business, das er über viele Jahrzehnte maßgeblich prägte, nicht zu ernst nahm. Mehr noch, er zeigte allen: Auch und besonders mit „Fehlern“ kann man liebenswert sein. Seine besondere Mimik und Sprache waren die äußeren Merkmale dafür. Das ließ ihn nahbar werden. Und genau so hat er sich selbst immer verstanden. („Ich war mein Leben lang ein Kneipenclown.“)

Medialer Stimmungsaufheller

Und so war Dall bis zum Schluss künstlerisch gefragt. Erst in diesem Monat startete sein Engagement für die ARD-Serie „Rote Rosen“, während der Dreharbeiten erlitt er einen Schlaganfall, an dessen Folgen er nun starb. Bittersüße Randnotiz: Wer seine Website aufruft, liest noch auf der Homepage immer noch in großen Lettern: „Ein Abschied? Nein, kein Ende in Sicht! Nun stehe ich wieder verstärkt vor der TV-Kamera.“ Leider wissen wir es nun besser.

Es ist ein Abschied. Einer, der weh tut. Abschied von einem medialen Stimmungsaufheller, von einem, der immer da war. Einen, für den man als Kind Samstagabends länger aufgeblieben ist, und dessen Lieder heute die eigene vierjährige Tochter voller Inbrunst mitsingt. Einer, der stellvertretend für eine Zeit steht, in der Klamauk noch herrlich unverkrampft sein konnte, frei von moralingetränkten Zeigefingern und „Haltungs“-Richtlinien.

Mit Karl Dall geht ein führender Vertreter jener Künstler, die wirklich noch alles durften – weil sie es sich herausnahmen. Weil sie Neuland betraten. Das war nicht immer nur geschmackvoll. Aber es war immer echt! Und auch, wenn Dall schon seit längerer Zeit wieder in Norddeutschland lebte, verliert die Berliner Künstler-Szene mit ihm eine ihrer prägendsten Figuren.

Eine vielzitierter Ausspruch Dalls lautet: „Ich gebe meine Neurosen…auf der Bühne an das Publikum weiter. Die Leute bezahlen dafür und gehen dann mit meinen Problemen nach Hause.“ Deine „Probleme“ werden uns fehlen. Und wenn unsere eigenen nicht mithalten, wirst Du bestimmt von oben ein Auge zudrücken… . Danke, Karl und Ruhe in Frieden!




Alleinerziehend in der Corona-Krise: Ein Berliner Vater erzählt von seinen Homeschooling-Erfahrungen

von ALEXANDER GEILHAUPT

Seit der Schließung der Schulen habe ich ein schlechtes Gewissen, als Lehrer für einen 13-jährigen pubertierenden Jungen scheine ich nämlich gänzlich ungeeignet. Jeden Tag ein paar Stunden unterrichten, Microsoft Teams nach neuen Aufgaben checken, Arbeiten überprüfen, das alles liegt außerhalb meiner Fähigkeiten.

Das Problem ist nicht die mangelnde Bildung. Englisch spreche ich fließend, Französisch mittelmäßig und in Mathematik kann ich locker mithalten mit dem Stoff der siebten Klasse; die Schwierigkeiten sind eher zwischenmenschlicher Natur. Denn mein Teenagersohn ist immer häufiger der Ansicht, dass sein Vater nicht nur ziemlich alt ist, sondern vom Leben, von der Schule und all den anderen Teenagerproblemen nicht den Hauch einer Ahnung hat – no Front!

Als alleinerziehender, berufstätiger Vater fehlen mir oft Zeit und Muße, den täglichen Unterricht zu organisieren, als Selbstständiger ohnehin. Überall sieht und hört man die engagierten Eltern, die ihre Kinder problemlos dazu bekommen, nach dem Frühstück freiwillig und ohne Murren den PC anzuschalten und nicht Fortnite zu spielen, sondern brav die Mathehausaufgaben zu erledigen, direkt nachdem sie den Frühstückstisch abgeräumt und die Spülmaschine eingeräumt haben. So läuft es zumindest bei meinen Facebook-Freunden, die ich kürzlich nach ihren Erfahrungen gefragt habe.

Wie machen es die anderen alleinerziehenden Eltern eigentlich? Die Supermarktkassiererin beispielsweise, die acht Stunden am Tag mit Klopapier kaufenden Kunden zurechtkommen muss, zwischendurch Regale einräumt, oder die Krankenschwester, die sich im Zwei- oder Dreischichtsystem abrackert. Vielleicht haben die alle Kinder mit Superkräften. Selbstdisziplin, frühes Aufstehen und anschließendes Lernen, ohne sich von Onlinespielen oder YouTube ablenken zu lassen, das sind Superkräfte, zumindest für einen 13-jährigen Teenager.

Die Schulen lassen uns weitestgehend alleine. Ja, es gibt sie, die engagierten Lehrer, die ihre eingescannten Buchseiten hochladen, die man dann ausdrucken, ausfüllen, einscannen und wieder hochladen muss, die Abgabetermine prüfen und dann meinen, das alles benoten zu können nach fairen Gesichtspunkten.

Glücklicherweise hat mein Sohn einen eigenen Computer. Wer schon mal versucht hat, auf einem Smartphone oder Tablet einen Text zu verfassen, ein PDF auszufüllen oder irgendwas von Microsoft zu bedienen, der weiß, dass das nahezu unmöglich ist. Aber es gibt sie, die Haushalte ohne Computer, die bei Amazon mit dem Smartphone bestellen, ihre Bankgeschäfte auf dem Tablet erledigen und zum Zocken eine Konsole benutzen.

Die Verlierer sind aber nicht wir Eltern, sondern die Kinder und Jugendlichen, die jetzt und ohne wirkliche Vorbereitungen ihre Prüfungen ablegen müssen, die vor dem Abschluss stehen, sich anschließend um eine Lehrstelle oder einen Studienplatz bewerben müssen. Auch hier fehlt es an Fairness, an gleichen Voraussetzungen. Natürlich muss zuhause gebüffelt werden vor einer Prüfung, auch in Zeiten der Normalität. Doch den Stoff von zwei oder drei Monaten gemeinsam mit den Eltern zu erarbeiten, das gelingt nicht allen. Wer es sich leisten kann, einen Elternteil für das Homeschooling abzustellen, hat einen Vorteil, der nicht auszugleichen ist. Unter derartigen Voraussetzungen Noten zu verteilen und Abschlusszeugnisse auszustellen, ist unverantwortlich. Sollten die Schulschließungen noch bis weit ins nächste Halbjahr andauern, werden viele auf der Strecke bleiben.

Die Schulen müssen umgehend wieder öffnen, nicht nur damit unsere Kinder den Anschluss nicht verlieren. Die Schule garantiert auch Sozialkontakte, die über die Familie hinausgehen, Freundschaften bilden sich, Selbstständigkeit wird gefördert. Schule bedeutet aber auch Entlastung für uns Eltern, nicht nur, damit wir unserer Arbeit nachgehen können.

Das Lernmaterial, das unsere Schule zur Verfügung stellt, ist übrigens selten interaktiv. Nur eine einzige Online-Übung habe ich gefunden, ausgerechnet in Sexualkunde. Wenigstens damit kenne ich mich besser aus als mein Sohn. Was für ein Glück.

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Berliner Radio-Legende Dennis King hängt das Mikro an den Nagel

von KLAUS KELLE

BERLIN – Am heutigen Tag endet in Berlin eine Ära, denn Dennis King (68) hängt das Radiomikrofon an den Nagel. Auf eigenen Wunsch und im Einvernehmen mit Geschäftsführer Hartmut Behrenwald beendet er seine Tätigkeit als Programmchef und Morgenmoderator beim Potsdamer Privatsender BHeins. Doch eine kleine Hintertür gibt es natürlich  immer bei einem Mann, dessen ganzes Leben durch das Radio geprägt war und ist. Auch in Zukunft wird er jeden Samstag von acht bis elf Uhr dort weiter in der „Dennis-King-Show“ am Mikro sitzen.

„Ich befinde mich in meinem 68. Lebensjahr und mache seit fast 48 Jahren Radio, irgendwann muss auch einmal Zeit für meine anderen Interessen da sein. Das frühe Aufstehen um vier Uhr jeden Tag und neue Herausforderungen machen es mir zunehmend schwerer, täglich voller Elan in den Tag zu starten.“

Begonnen hat seine erstaunliche Karriere als Stationmanager und Moderator, später als Programmchef, des legendären Piratensenders „Radio Caroline“. das sieben Jahre lang von zwei Schiffen aus vor der Isle of Man und in internationalen Gewässern vor der Themsemündung Popmusik sendete. „Die BBC spielte damals nur James-Last-Musik“. erinnerte sich der Radiopionier im Gespräch mit Berlin.jetzt. Und weiter: „Ohne uns hätten Queen und die Stones auf der britschen Insel damals gar nicht stattgefunden.“

In Berlin wurde er später als RIAS-Moderator populär und als Produzent erfolgreich. Als viele neue Privatradios Ende der 90er in Deutschland entstanden, konnte sich King vor Aufträgen kaum retten. Antenne Niedersachsen, Radio Brocken und RIAS-Nachfolger rs2 sind nur einige Stationen dieser Erfolgsgeschichte.

Was Dennis King, beflügelt von seinen zahlreichen „Musen“ rund um den Planeten, in Zukunft machen wird, ist geheim. Aber Rosen züchten im Seniorenstift wird es ganz sicher nicht sein.