“Echte Menschen, ist das schön”: Konzertabend mit Tupfer im Hals

Die Bilder wirken wie aus einem Science-Fiction-Film. Menschen in Schutzanzügen stehen in der Berliner Philharmonie und nehmen Abstriche aus dem Rachen.

Der Konzertabend beginnt nicht mit einer Plauderei an der Garderobe, sondern mit einem Tupfer im Hals. Denn nach monatelanger Pause haben am Wochenende die ersten Berliner Bühnen für ein Pilotprojekt geöffnet.

Im Berliner Ensemble durften rund 350 Menschen eine Aufführung schauen. Bei einem Testkonzert in der Philharmonie waren sogar rund 1000 Zuschauerinnen und Zuschauer zugelassen. Aber was wird da eigentlich getestet? Und weiß man noch, was das ist, so ein Konzerthaus?

Seit fast fünf Monaten sind viele Häuser in Deutschland wieder geschlossen. Bundesweit wird über steigende Infektionszahlen gesprochen. In Berlin wagen nun trotzdem mehrere große Häuser einen Probelauf. Sie wollen prüfen, wie aufwendig es zum Beispiel wäre, das Publikum vorab auf das Coronavirus testen zu lassen.

Kultursenator Klaus Lederer ahnt, wie das nach außen wirken kann. Bundesweit seien Theater, Konzerthäuser, Opern geschlossen. «Und wir machen – bei anschwellender Inzidenz, bei einer sich aufbauenden dritten Welle – Konzerte», sagt er am Samstagabend in der Philharmonie. «Da gibt’s Leute, die sagen: ‘Ihr seid nicht ganz dicht.’»

Die Kultur habe aber vor einem Jahr als erstes geschlossen und versuche nun, ihre gesamtgesellschaftliche Verantwortung wahrzunehmen. Mit dem Projekt sollten einige Dinge ausprobiert werden, von denen man an anderer Stelle hoffentlich lernen könne, sagte der Linke-Politiker. In den Räumen der Philharmonie gebe es gut funktionierende Lüftungen und Hygienekonzepte. «Wo soll man – wenn nicht hier – mal Dinge ausprobieren?»

In der Philharmonie stehen nun also Menschen mit blauen Handschuhen. Rund 500 Zuschauer konnten vor Ort einen Testtermin buchen, die anderen bekamen Termine andernorts in der Stadt. Das Ergebnis kommt kurz darauf aufs Handy. Der negative Befund muss beim Einlass vorgezeigt werden. Außerdem muss man einen medizinischen Mund-Nasen-Schutz tragen und Abstand halten.

Während in einem der Testzentren im Hintergrund leise Musik dudelt, arbeitet sich eine Mitarbeiterin mit einem Stäbchen das Nasenloch hoch. In der Philharmonie werden in eigens aufgebauten Teststationen Abstriche aus dem Rachen genommen. Dass mit Schnelltests wieder mehr Leben möglich ist, darauf hoffen viele.

Auch bei den Bayreuther Festspielen könnten sie in diesem Jahr eine wichtige Rolle spielen, wie Bayerns Kunstminister Bernd Sibler dem «Nordbayerischen Kurier» sagte. Allerdings dürften wohl trotzdem weniger Menschen in den Saal als zu normalen Zeiten. Auch im Berliner Ensemble und in der Philharmonie bleibt bei den Testvorstellungen mindestens jeder zweite Platz gesperrt. «Schachbrettmuster» heißt das.

Für das Pilotprojekt haben sich mehrere Einrichtungen zusammengetan. Bis Anfang April sind insgesamt neun Veranstaltungen geplant. Die Tickets für das Konzert der Philharmoniker? Nach Angaben der Intendantin waren sie innerhalb von drei Minuten ausverkauft. Chefdirigent Kirill Petrenko und sein Orchester spielen das erste Mal seit einem Jahr wieder vor so großem Publikum.

Getestet werden etwa Abläufe: Wie schnell kann man Menschen testen? Buchen sie lieber dezentral einen Coronatest? Oder wollen sie das direkt vor dem Theaterbesuch erledigen? Wie viele Befunde kommen positiv zurück? Auch die Frage der Finanzierung stellt sich. Im Pilotprojekt zahlen Besucher 20 Euro pro Abend, inklusive SARS-CoV-2-Antigen-Test. Normalerweise wäre das wohl teurer.

Die Ergebnisse des Testlaufs sollen ausgewertet und anderen zur Verfügung gestellt werden. Unklar ist allerdings, wann die Bühnen wieder regulär öffnen. Theatermacher Oliver Reese findet, eine Öffnung der Kultur sei auch ohne Festhalten an Inzidenz-Schwellen möglich. Als Intendant des Berliner Ensembles verweist er auf bestehende Konzepte. Die Tests seien ein zusätzliches Sicherheitsnetz.

Ähnlich argumentieren Kinobetreiber. Die Kinos hätten in Sicherheitskonzepte investiert – beim Impfen und Testen sei der Staat in der Pflicht. «Es muss flächendeckend kostenlose Tests geben», fordert Christian Bräuer vom Branchenverband AG Kino – Gilde. Wichtig sei, dass man unkompliziert etwa in der Apotheke um die Ecke einen kostenlosen Test machen könne. Dann könne das helfen.

Solche Schnelltests schlagen vor allem bei Infizierten in der hochansteckenden Phase recht zuverlässig an. Aber das Ergebnis zeigt nur eine Momentaufnahme und kann falsch sein. Ein weiteres Argument im Lockdown: Selbst wenn in einem Theater Hygieneregeln gelten, müssen die Menschen erst einmal dorthin kommen. Vielleicht fahren sie U-Bahn. Sie bewegen sich mehr und haben automatisch mehr Kontakte.

Andererseits wünschen sich viele eine Perspektive. «Ich habe es unheimlich vermisst», sagt ein Besucher der Philharmonie. Am Berliner Ensemble ruft ein Schauspieler während der Vorstellung, wie schön es sei, mal wieder Theater zu spielen. Aufgeführt wird «Panikherz». Autor Benjamin von Stuckrad-Barre erzählt darin von Musik, Kokainsucht, Essstörungen. Nach der Vorstellung steht er plötzlich selbst auf der Bühne. Er guckt ins Publikum und sagt: «Echte Menschen, ist das schön.»




Lyrikerin Monika Rinck erhält Berliner Literaturpreis

BERLIN – Die Lyrikerin Monika Rinck («Honigprotokolle») erhält in diesem Jahr den Berliner Literaturpreis der Stiftung Preußische Seehandlung. Mit der 51-Jährigen werde eine Dichterin ausgezeichnet, «deren Werk durch Lust am Klang und gedankliche Präzision besticht», heißt es nach Angaben vom Dienstag in der Begründung der Jury. «Die Gedichte, Essays und Streitschriften erforschen Poesie als Erkenntnisform und bieten analytischer Eleganz und Sprachwitz gleichermaßen eine Bühne.»

Der seit 1989 vergebene Literaturpreis zur Förderung der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur in erzählender und dramatischer Literatur sowie Lyrik ist mit 30 000 Euro dotiert. Gewürdigt werden sollen damit wesentliche Beiträge zur Entwicklung zeitgenössischer Literatur. Seit 2005 ist mit dem Preis das Angebot für eine Berufung auf eine undotierte Gastprofessur an der Freien Universität Berlin verbunden.
Verliehen werden soll der Literaturpreis am 9. Februar vom Regierenden Bürgermeister und Vorsitzenden des Rates der Stiftung Preußische Seehandlung, Michael Müller, im Berliner Rathaus.



“Ich war mein Leben lang ein Kneipenclown” – zum Tod von Karl Dall

von MARK ZELLER

Komiker, Schauspieler, Moderator, Sänger und vor allem Unikum – mit Karl Dall starb am Montag einer der letzten zeitlosen deutschen Unterhaltungskünstler. Berlin war lange Jahre Zentrum seines Schaffens – und verdankt ihm seine inoffizielle Hymne.

Im Journalistenleben gibt es Anlässe, die einem schon lange vorher ein vorfreudiges Lächeln auf die damit verbundene Arbeit entlocken. Einer davon war Karl Dalls 80. Geburtstag Anfang Februar. Nun steht hier ein anderer Text, denn der unverwüstliche Unterhaltungskünstler hat zu früh auch sein zweites Auge geschlossen.

Ein hängendes Auge, das war zeitlebens das Markenzeichen des gebürtigen Ostfriesen. Aus der Stigmatisierung durch seine angeborene Lidmuskelschwäche machte er ein mimisches Alleinstellungsmerkmal und inszenierte es in Verbindung mit seinem „Sprachfehler“ – einem eigentümlich backengepressten Zischlaut anstelle eines „s“ – zu seinem künstlerischen Aushängeschild. Damit bereicherte er das Showgeschäft fast 60(!) Jahre lang in TV-Shows, Kino-Filmen oder auf Konzertbühnen und spielte dabei immer nur eine Rolle: Karl Dall.

1963, mit Anfang 20, zog es ihn aus dem hohen Nordwesten nach Berlin, wo er für mehr als 30 Jahre lang sesshaft werden sollte. Hier heiratete er auch seine Barbara, mit der er im kommenden Jahr Goldene Hochzeit gefeiert hätte, hier wurde seine Tochter Janina geboren. In seine Berliner Zeit fiel auch sein Aufstieg zur omnipräsenten Figur des seinerzeit boomenden Fernsehens. 1967 gründete er mit Ingo Insterburg die musikalische Komödiantengruppe „Insterburg & Co“ und revolutionierte mit deren „Kunst des höheren Blödsinns“ sowohl die Musik- als auch die Komik-Branche.

Kunst- und Comedy-Revolution von Berlin aus

Damit wurden sie so etwas, wie die Urväter der deutschen Stand-up-Comedy – lange, bevor es diesen Begriff überhaupt gab. Ihr 70er-Jahre-Hit „Ich liebte ein Mädchen“ wurde zum Evergreen und zur inoffiziellen (West-)Berliner Hymne. Dank seiner eingängigen Reim-Schemata wussten seitdem auch die Menschen aus anderen Teilen der Republik, in welchen Stadt-Bezirken die Berliner Mädchen „die Bude kalt“ (Grunewald), „Gebäck und Tee“ (Heiligensee) oder „Ohren wie Segel“ (Tegel) hatten. 

Und entsprechend einer weiteren Liedzeile „dann wurde es mir in Berlin zu klein, drum zog ich in ganz Deutschland ein“ erweiterte auch Dall seinen künstlerischen Radius und startete nach der Auflösung der Truppe Ende der Siebziger Jahre seine Solokarriere. Schnell etablierte er sich als nicht mehr weg zu denkender Bestandteil erfolgreicher TV-Shows wie „Plattenküche“ oder „Verstehen Sie Spaß?“, in denen er in seiner Paraderolle als liebenswerter Chaot zum heimlichen Star der Sendung avancierte.

Folgerichtig bekam er Mitte der Achtziger Jahre mit „Dall-As“ sein eigenes, auf ihn zugeschnittenes TV-Format (bei RTLplus). Im Gewand einer Talkrunde wurden wechselnde Gäste dem schlagfertigen Wahl-Berliner zum medialen Fraß vorgeworfen, was manchem nicht gut bekam: Legendär etwa der Auftritt (oder besser: Abgang) Roland Kaisers, der wütend die Sendung verließ, nachdem Dall ihn aufgefordert hatte: „Na, sing schon mal, damit wir es hinter uns haben.“

Wegbereiter des Privat-Fernsehens

Damit etablierte er auch den „Krawall-Talk“ im deutschen Fernsehen und setze ihn Anfang der Neunziger Jahre mit „Jux und Dallerei“ (Sat. 1) fort. Überhaupt trug er wesentlich zum seinerzeitigen Aufstieg des Privatfernsehens bei, ob als Abendshow-Moderator von „Koffer Hoffer“ (Tele 5) oder als Gründungsmitglied des Satire-Show-Teams „7 Tage, 7 Köpfe“ (RTL).

Auch in Sachen Schauspielerei und Musik blieb Dall umtriebig. Während allerdings Filme wie „Gib Gas – Ich will Spaß“, „Dirndljagd am Kilimandscharo“ oder „Sunshine Reggae auf Ibiza“ bestenfalls als schlüpfrige Achtziger Jahre-Relikte in Erinnerung geblieben sind, erfreuen sich viele seiner Songs ungebrochener Popularität. „Diese Scheibe ist ein Hit“ etwa dürfte die erste satirische „Abrechnung“ eines Künstlers mit dem Pop-Geschäft gewesen sein, nicht weniger selbstironisch der liedgewordenen Stoß-Seufzer aller frustrierten Ehemänner: „Millionen Frauen lieben mich“. Und das schmissige „Heute schütte ich mich zu“ darf als augenzwinkernde Zündladung auf keiner Party oder Auswärtstour fehlen.

Apropos Augenzwinkern: Dalls wahrscheinlich größtes Erfolgsgeheimnis war, dass er sich selbst und das Show-Business, das er über viele Jahrzehnte maßgeblich prägte, nicht zu ernst nahm. Mehr noch, er zeigte allen: Auch und besonders mit „Fehlern“ kann man liebenswert sein. Seine besondere Mimik und Sprache waren die äußeren Merkmale dafür. Das ließ ihn nahbar werden. Und genau so hat er sich selbst immer verstanden. („Ich war mein Leben lang ein Kneipenclown.“)

Medialer Stimmungsaufheller

Und so war Dall bis zum Schluss künstlerisch gefragt. Erst in diesem Monat startete sein Engagement für die ARD-Serie „Rote Rosen“, während der Dreharbeiten erlitt er einen Schlaganfall, an dessen Folgen er nun starb. Bittersüße Randnotiz: Wer seine Website aufruft, liest noch auf der Homepage immer noch in großen Lettern: „Ein Abschied? Nein, kein Ende in Sicht! Nun stehe ich wieder verstärkt vor der TV-Kamera.“ Leider wissen wir es nun besser.

Es ist ein Abschied. Einer, der weh tut. Abschied von einem medialen Stimmungsaufheller, von einem, der immer da war. Einen, für den man als Kind Samstagabends länger aufgeblieben ist, und dessen Lieder heute die eigene vierjährige Tochter voller Inbrunst mitsingt. Einer, der stellvertretend für eine Zeit steht, in der Klamauk noch herrlich unverkrampft sein konnte, frei von moralingetränkten Zeigefingern und „Haltungs“-Richtlinien.

Mit Karl Dall geht ein führender Vertreter jener Künstler, die wirklich noch alles durften – weil sie es sich herausnahmen. Weil sie Neuland betraten. Das war nicht immer nur geschmackvoll. Aber es war immer echt! Und auch, wenn Dall schon seit längerer Zeit wieder in Norddeutschland lebte, verliert die Berliner Künstler-Szene mit ihm eine ihrer prägendsten Figuren.

Eine vielzitierter Ausspruch Dalls lautet: „Ich gebe meine Neurosen…auf der Bühne an das Publikum weiter. Die Leute bezahlen dafür und gehen dann mit meinen Problemen nach Hause.“ Deine „Probleme“ werden uns fehlen. Und wenn unsere eigenen nicht mithalten, wirst Du bestimmt von oben ein Auge zudrücken… . Danke, Karl und Ruhe in Frieden!




Matthias Schulz weitere vier Jahre Intendant der Staatsoper

BERLIN – Der Stiftungsrat der Stiftung Oper in Berlin hat der Vertragsverlängerung mit Matthias Schulz (Foto) als Intendant der Berliner Staatsoper zugestimmt. Damit wird Matthias Schulz weitere vier Jahre bis 2024 das Haus Unter den Linden leiten.

Matthias Schulz ist seit März 2016 an der Staatsoper tätig, ab September 2017 zunächst als Co-Intendant gemeinsam mit Jürgen Flimm, seit April 2018 in alleiniger Verantwortung als Intendant. Die Vertragsverlängerung bedeutet für das Opernhaus ein Signal größtmöglicher Kontinuität und Stabilität in gegenwärtig herausfordernden Zeiten.

Kultursenator Dr. Klaus Lederer (LINKE): „Matthias Schulz hat nach der langen Sanierungsphase des Hauses Unter den Linden den Umzug der Staatsoper zurück an ihren Stammsitz und die damit verbundene Neupositionierung des Opernhauses in der internationalen Musikszene erfolgreich mitgestaltet. Ich freue ich mich auch deshalb persönlich sehr, dass ich Matthias Schulz für eine Verlängerung gewinnen konnte und er nun für vier weitere Jahre bleibt.”




BVG benennt U-Bahnstation Mohrenstraße um

BERLIN – Der Mohrenkopf von Sarotti ist schon lange verschwunden, bald wird es auch der U-Bahnhof Mohrenstraße in Berlin sein. Heute teilten die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) mit, dass die Station noch in diesem Jahr umbenannt werden soll in Glinkastraße nach dem russischen Komponisten Michail Iwanowitsch Glinka (1804-1857).

Die BVG teilte dazu mit: Als weltoffenes Unternehmen und einer der größten Arbeitgeber der Hauptstadt lehnt die BVG jegliche Form von Rassismus oder sonstiger Diskriminierung ab. Aus Verständnis und Respekt für die teils kontroverse Debatte um den Straßennamen hat die BVG sich nun entschieden, ihn nicht weiter für die Benennung des U-Bahnhofs zu verwenden.“




Alleinerziehend in der Corona-Krise: Ein Berliner Vater erzählt von seinen Homeschooling-Erfahrungen

von ALEXANDER GEILHAUPT

Seit der Schließung der Schulen habe ich ein schlechtes Gewissen, als Lehrer für einen 13-jährigen pubertierenden Jungen scheine ich nämlich gänzlich ungeeignet. Jeden Tag ein paar Stunden unterrichten, Microsoft Teams nach neuen Aufgaben checken, Arbeiten überprüfen, das alles liegt außerhalb meiner Fähigkeiten.

Das Problem ist nicht die mangelnde Bildung. Englisch spreche ich fließend, Französisch mittelmäßig und in Mathematik kann ich locker mithalten mit dem Stoff der siebten Klasse; die Schwierigkeiten sind eher zwischenmenschlicher Natur. Denn mein Teenagersohn ist immer häufiger der Ansicht, dass sein Vater nicht nur ziemlich alt ist, sondern vom Leben, von der Schule und all den anderen Teenagerproblemen nicht den Hauch einer Ahnung hat – no Front!

Als alleinerziehender, berufstätiger Vater fehlen mir oft Zeit und Muße, den täglichen Unterricht zu organisieren, als Selbstständiger ohnehin. Überall sieht und hört man die engagierten Eltern, die ihre Kinder problemlos dazu bekommen, nach dem Frühstück freiwillig und ohne Murren den PC anzuschalten und nicht Fortnite zu spielen, sondern brav die Mathehausaufgaben zu erledigen, direkt nachdem sie den Frühstückstisch abgeräumt und die Spülmaschine eingeräumt haben. So läuft es zumindest bei meinen Facebook-Freunden, die ich kürzlich nach ihren Erfahrungen gefragt habe.

Wie machen es die anderen alleinerziehenden Eltern eigentlich? Die Supermarktkassiererin beispielsweise, die acht Stunden am Tag mit Klopapier kaufenden Kunden zurechtkommen muss, zwischendurch Regale einräumt, oder die Krankenschwester, die sich im Zwei- oder Dreischichtsystem abrackert. Vielleicht haben die alle Kinder mit Superkräften. Selbstdisziplin, frühes Aufstehen und anschließendes Lernen, ohne sich von Onlinespielen oder YouTube ablenken zu lassen, das sind Superkräfte, zumindest für einen 13-jährigen Teenager.

Die Schulen lassen uns weitestgehend alleine. Ja, es gibt sie, die engagierten Lehrer, die ihre eingescannten Buchseiten hochladen, die man dann ausdrucken, ausfüllen, einscannen und wieder hochladen muss, die Abgabetermine prüfen und dann meinen, das alles benoten zu können nach fairen Gesichtspunkten.

Glücklicherweise hat mein Sohn einen eigenen Computer. Wer schon mal versucht hat, auf einem Smartphone oder Tablet einen Text zu verfassen, ein PDF auszufüllen oder irgendwas von Microsoft zu bedienen, der weiß, dass das nahezu unmöglich ist. Aber es gibt sie, die Haushalte ohne Computer, die bei Amazon mit dem Smartphone bestellen, ihre Bankgeschäfte auf dem Tablet erledigen und zum Zocken eine Konsole benutzen.

Die Verlierer sind aber nicht wir Eltern, sondern die Kinder und Jugendlichen, die jetzt und ohne wirkliche Vorbereitungen ihre Prüfungen ablegen müssen, die vor dem Abschluss stehen, sich anschließend um eine Lehrstelle oder einen Studienplatz bewerben müssen. Auch hier fehlt es an Fairness, an gleichen Voraussetzungen. Natürlich muss zuhause gebüffelt werden vor einer Prüfung, auch in Zeiten der Normalität. Doch den Stoff von zwei oder drei Monaten gemeinsam mit den Eltern zu erarbeiten, das gelingt nicht allen. Wer es sich leisten kann, einen Elternteil für das Homeschooling abzustellen, hat einen Vorteil, der nicht auszugleichen ist. Unter derartigen Voraussetzungen Noten zu verteilen und Abschlusszeugnisse auszustellen, ist unverantwortlich. Sollten die Schulschließungen noch bis weit ins nächste Halbjahr andauern, werden viele auf der Strecke bleiben.

Die Schulen müssen umgehend wieder öffnen, nicht nur damit unsere Kinder den Anschluss nicht verlieren. Die Schule garantiert auch Sozialkontakte, die über die Familie hinausgehen, Freundschaften bilden sich, Selbstständigkeit wird gefördert. Schule bedeutet aber auch Entlastung für uns Eltern, nicht nur, damit wir unserer Arbeit nachgehen können.

Das Lernmaterial, das unsere Schule zur Verfügung stellt, ist übrigens selten interaktiv. Nur eine einzige Online-Übung habe ich gefunden, ausgerechnet in Sexualkunde. Wenigstens damit kenne ich mich besser aus als mein Sohn. Was für ein Glück.

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Berliner Radio-Legende Dennis King hängt das Mikro an den Nagel

von KLAUS KELLE

BERLIN – Am heutigen Tag endet in Berlin eine Ära, denn Dennis King (68) hängt das Radiomikrofon an den Nagel. Auf eigenen Wunsch und im Einvernehmen mit Geschäftsführer Hartmut Behrenwald beendet er seine Tätigkeit als Programmchef und Morgenmoderator beim Potsdamer Privatsender BHeins. Doch eine kleine Hintertür gibt es natürlich  immer bei einem Mann, dessen ganzes Leben durch das Radio geprägt war und ist. Auch in Zukunft wird er jeden Samstag von acht bis elf Uhr dort weiter in der „Dennis-King-Show“ am Mikro sitzen.

„Ich befinde mich in meinem 68. Lebensjahr und mache seit fast 48 Jahren Radio, irgendwann muss auch einmal Zeit für meine anderen Interessen da sein. Das frühe Aufstehen um vier Uhr jeden Tag und neue Herausforderungen machen es mir zunehmend schwerer, täglich voller Elan in den Tag zu starten.”

Begonnen hat seine erstaunliche Karriere als Stationmanager und Moderator, später als Programmchef, des legendären Piratensenders “Radio Caroline”. das sieben Jahre lang von zwei Schiffen aus vor der Isle of Man und in internationalen Gewässern vor der Themsemündung Popmusik sendete. “Die BBC spielte damals nur James-Last-Musik”. erinnerte sich der Radiopionier im Gespräch mit Berlin.jetzt. Und weiter: “Ohne uns hätten Queen und die Stones auf der britschen Insel damals gar nicht stattgefunden.”

In Berlin wurde er später als RIAS-Moderator populär und als Produzent erfolgreich. Als viele neue Privatradios Ende der 90er in Deutschland entstanden, konnte sich King vor Aufträgen kaum retten. Antenne Niedersachsen, Radio Brocken und RIAS-Nachfolger rs2 sind nur einige Stationen dieser Erfolgsgeschichte.

Was Dennis King, beflügelt von seinen zahlreichen “Musen” rund um den Planeten, in Zukunft machen wird, ist geheim. Aber Rosen züchten im Seniorenstift wird es ganz sicher nicht sein.




20er-Jahre-Revue „Berlin Berlin“ feierte umjubelte Premiere

BERLIN – Die Goldenen 20er Jahre haben heute Abend im Berliner Admiralspalast bei der 20er-Jahre-Revue „Berlin Berlin“ eine rauschende Wiederauferstehung gefeiert. Die “Roaring Twenties” faszinierten Menschen rund um den Erdball mit ihrer Mode, Musik, Unterhaltung, Kunst, Kultur und dem technischen Fortschritt. Die Menschen strömten in Großstädte wie Berlin, wo eine ungeahnte neue Freiheit lockte: Tagsüber sauste man mit dem neuen Automobil über die Berliner Avus, telefonierte sich zur abendlichen Verabredungen zusammen, lauschte den ersten Rundfunksendungen oder legte die neueste Schellackplatte auf das Grammophon.

In Clubs, Nachtbars und Cabarets konnte man zu Jazz, Swing und Charleston die Nächte durchmachen. 1926 wurde das erstes Musical von Duke Ellington an gleicher Stelle, dem Admiralspalast, aufgeführt und versetzte die vergnügungssüchtigen Massen in Ekstase.

Absinth, das Modegetränk der 20er und andere Rauschmittel ließen alle Hemmungen verschwinden, Revuegirls und Skandaltänzerinnen ihre Hüllen fallen. Die Comedian Harmonists waren die Boyband der 20er Jahre. Auch fast 100 Jahre später kennt jeder „Mein kleiner grüner Kaktus“, „Veronika der Lenz ist da“ oder „Schöne Isabella von Kastillien“. Die Nationalsozialisten setzten der Erfolgsgeschichte 1934 dann ein jähes Ende, als ein neues Gesetz die Auftritte der jüdischen Ensemblemitglieder unmöglich machte.

Das Berliner Publikum feierte begeistert eine Premiere, in der unvergessene Weltstars wie Marlene Dietrich, Josefine Baker und Anita Berber für zwei kurzweilige Stunden zurückgekehrt schienen.




Berliner Jazzpreis 2020 für Silke Eberhard

BERLIN – rbbKultur und die Senatsverwaltung für Kultur und Europa vergeben den Jazzpreis Berlin 2020 an Silke Eberhard (Foto). Der mit 15.000 Euro dotierte Preis wird im Rahmen eines öffentlichen Konzertes am Donnerstag, 13. August 2020, ab 20 Uhr im Kleinen Sendesaal des rbb verliehen.

Silke Eberhard prägt seit vielen Jahren die Berliner Jazzszene und genießt große internationale Wertschätzung. Von Einflüssen und Vorbildern wie Eric Dolphy, Ornette Coleman und Charles Mingus hat sie sich längst emanzipiert. Es ist ihr auf herausragende Weise gelungen, deren musikalische Sprachen und künstlerische Visionen zu verinnerlichen und daraus eigene kreative Ideen wachsen zu lassen, was auf besondere Art in der Arbeit mit der von ihr geleiteten Band “Potsa Lotsa” Niederschlag findet. Im Zuge der Beschäftigung mit der Musik von Eric Dolphy wurde die Bassklarinette neben dem Altsaxofon zum gleichberechtigten Instrument von Silke Eberhard.

Silke Eberhard wurde 1972 in Heidenheim an der Brenz geboren und lebt seit 1995 in Berlin.




Einbruch ins Berliner Stasi-Museum

LICHTENBERG – Unbekannte Täter sind in der Nacht von Samstag auf Sonntag ins Stasi-Museum in Lichtenberg eingebrochen und haben Orden und Goldstücke gestohlen. Morgens gegen  10.40 Uhr hat ein Mitarbeiter des Museums den Einbruch entdeckt und Alarm geschlagen. Wie die Polizei mitteilte, sind die Täter über ein Fenster im ersten Obergeschoss in das Gebäude an der Ruschestraße eingestiegen. Dort zerschlugen sie Vitrinen und raubten Ausstellungsstücke wie einen “Vaterländischer Verdienstorden in Gold”, einen Karl-Marx-Orden, einen Lenin-Orden und einen Orden „Held der Sowjetunion“

Die Ausstellungsstücke stammen von 1990, als großen Mengen Schmuck und Gold bei der Stasi gefunden wurde.  Das Bundesamt für offene Vermögensfragen hatte dem Museum die Orden dann als Leihgabe überlassen.