Blackout im Berliner Südwesten: 50.000 Haushalte ohne Strom
von KLAUS KELLE
ZEHLENDORF – Frohes neues Jahr? Vergessen Sie es, jedenfalls, wenn Sie im Südwesten Berlins leben! Seit dem frühen Morgen sind rund 50.000 Haushalte und 2.000 Betriebe in Nikolassee, Wannsee, Zehlendorf und Lichterfelde ohne Strom. Was oberflächlich wie ein technischer Defekt wirkt, hat sich innerhalb weniger Stunden zu einem Kriminalfall entwickelt, der die Sicherheitsbehörden der Hauptstadt in höchste Alarmbereitschaft versetzt.
Denn im Jahr 2026 ist die Sensibilität für Angriffe auf die kritische Infrastruktur (KRITIS) nach den Erfahrungen der vergangenen Jahre auf einem historischen Höchststand.
Die Dimension des aktuellen Ausfalls weckt düstere Erinnerungen
Der massive Blackout im Südosten Berlins im September des Vorjahres ist noch gut in Erinnerung. Damals waren zwei Strommasten Ziel eines politisch motivierten Brandanschlags, vermutlich von Linksextremisten. Die Parallelen jetzt sind beängstigend: Wieder sind rund 50.000 Kunden betroffen, wieder ist der Tatort ein exponierter Punkt der Infrastruktur, und wieder droht der Ausfall über Tage anzuhalten.
Sollte sich der Verdacht der Brandstiftung bestätigen, steht Berlin erneut vor der Frage, wie verwundbar die deutsche Hauptstadt gegen hybride Bedrohungen aus Russland oder linksextremistische Sabotageakte ist. Kabelbrücken und Strommasten sind oft nur schwer lückenlos zu überwachen. Sie bilden die „weichen Ziele“ einer hochtechnisierten Gesellschaft, deren Stilllegung mit minimalem Aufwand maximale gesellschaftliche Destabilisierung erzeugt.
Ein Stromausfall im Jahr 2026 bedeutet weit mehr als dunkle Wohnzimmer
- Mobil- und Festnetz: Die Polizei warnt bereits in den sozialen Netzwerken vor massiven Störungen der Telekommunikation. In einer Welt, die auf Echtzeit-Kommunikation basiert, bedeutet der Ausfall der Masten eine Isolation ganzer Stadtteile.
- Notrufsysteme: Wenn das Handy nicht mehr funktioniert, ist der Notruf 110 oder 112 unerreichbar. Die Polizei hat daher die Bürger aufgerufen, bei dringenden Notfällen direkt Feuerwachen oder Polizeidienststellen aufzusuchen – ein Rückgriff auf analoge Sicherheitsstrukturen in einer Krisensituation.
- Wirtschaftlicher Schaden: 2.000 betroffene Betriebe bedeuten im Klartext: Kühlketten unterbrochen, Kassensysteme tot, Produktionsausfälle. Der wirtschaftliche Schaden geht bereits jetzt in die Millionen.
Während der Stromnetz-Betreiber in Berlin händisch versucht, die Störung bis zum Abend zu beheben, bleibt für die Bewohner von Wannsee und Zehlendorf nur die Flucht. „Wer die Möglichkeit hat, woanders zu sein heute, wo es warm ist und wo der Strom fließt, sollte die Möglichkeit nutzen“, teil die Stadt mit.
Der aktuelle „Blackout“ zeigt aber erneut, dass Sicherheit nicht nur an den Außengrenzen oder in der digitalen Cloud verteidigt werden muss, sondern ganz real an den verrosteten Kabelbrücken unserer Städte. Der Berliner Südwesten bleibt vorerst dunkel – und die Suche nach den Tätern wird zum Lackmustest für die Wehrhaftigkeit des Rechtsstaates gegen Sabotage von innen.


